Stellungnahme von KON-MED – Konföderation der Gemeinschaften Kurdistans in Deutschland, 27. Juli 2026
Die Konföderation der Gemeinschaften Kurdistans in Deutschland (KON-MED) ist zutiefst erschüttert über den islamistischen Terroranschlag im Umfeld des Berliner Christopher Street Day. Eine Frau wurde getötet, 29 Menschen wurden zum Teil schwer verletzt. Unsere Gedanken sind bei den Opfern, ihren Angehörigen und allen Menschen, die den Anschlag miterleben mussten. Ihnen gilt unsere uneingeschränkte Solidarität.
Der Anschlag richtete sich gezielt gegen Menschen, die für gleiche Rechte, gesellschaftliche Sichtbarkeit und ein selbstbestimmtes Leben eintreten. Er ist damit nicht nur ein Angriff auf die queere Community, sondern auf die Grundwerte einer demokratischen und pluralistischen Gesellschaft.
KON-MED steht an der Seite aller Menschen, die sich gegen Unterdrückung und menschenfeindliche Ideologien einsetzen. Gerade kurdische und migrantische Gemeinschaften, die selbst Erfahrungen mit Rassismus, Ausgrenzung und politischer Kriminalisierung machen, tragen eine besondere Verantwortung, sich mit allen bedrohten und unterdrückten Gruppen zu solidarisieren.
Der Kampf gegen den IS bedeutet auch Unterstützung für Rojava
Für die kurdische Gesellschaft ist die Gefahr islamistischer Gewalt keine abstrakte Bedrohung. In Rojava haben kurdische, arabische, assyrische und weitere Kräfte unter großen Opfern gegen den sogenannten Islamischen Staat gekämpft. Der IS richtete seine Gewalt insbesondere gegen Frauen, Êzîd:innen, religiöse und ethnische Minderheiten, politische Gegner:innen und queere Menschen.
Der Widerstand gegen den IS war deshalb nicht nur ein militärischer Kampf oder ein Kampf gegen das Weltbild einer menschenverachtenden Organisation. Er war zugleich ein Kampf für gesellschaftliche Vielfalt, die Befreiung der Frau, das gleichberechtigte Zusammenleben verschiedener Bevölkerungsgruppen und das Recht auf ein freies und selbstbestimmtes Leben.
Wer den Kampf gegen den IS und seine menschenverachtende Ideologie ernst nimmt, darf die Menschen in Rojava heute nicht alleinlassen. Der Kampf gegen den IS bedeutet deshalb auch, Rojava und die demokratischen Strukturen der Selbstverwaltung in Nord- und Ostsyrien politisch, diplomatisch und humanitär zu unterstützen. Angriffe auf die Region gefährden nicht nur ihre Bevölkerung, sondern können auch dem IS neue Handlungsspielräume eröffnen.
Gleichzeitig darf der Anschlag nicht für rassistische Hetze gegen Muslim:innen, Geflüchtete oder migrantische Gemeinschaften instrumentalisiert werden. Der Kampf gegen islamistische Gewalt und der Kampf gegen Rassismus gehören zusammen. Menschenfeindlichkeit darf nicht mit neuer Menschenfeindlichkeit beantwortet werden.
Hass und Gewalt entschieden entgegentreten
KON-MED fordert eine vollständige Aufklärung des Anschlags und möglicher Versäumnisse der Sicherheitsbehörden. Die Betroffenen müssen umfassend unterstützt und queere Veranstaltungen und Einrichtungen wirksam geschützt werden.
Notwendig sind außerdem ein konsequentes Vorgehen gegen islamistische und queerfeindliche Strukturen sowie eine nachhaltige Stärkung zivilgesellschaftlicher Beratungs-, Bildungs- und Präventionsarbeit.
Wir rufen alle demokratischen Kräfte dazu auf, sich gemeinsam gegen islamistische Gewalt, Queerfeindlichkeit, Rassismus und jede andere Form menschenfeindlicher Ideologie zu stellen. Eine Gesellschaft ist nur dann frei, wenn alle Menschen sicher, in Würde und selbstbestimmt leben können.