Trauer ist kein Verbrechen

Unser Statement zum Polizeieinsatz in Hannover, 27.09.2026

Wir verurteilen das Vorgehen der Polizei und der zuständigen Sicherheitsbehörden gegen die kurdische Gedenkveranstaltung in Hannover.

Nach Angaben der Organisator*innen wurde eine Veranstaltung verhindert, bei der gemeinsam an verstorbene Angehörige der kurdischen Freiheitsbewegung erinnert werden sollte. Anschließend wurde das Demokratische Kurdische Gesellschaftszentrum in Hannover mit einem großen Polizeiaufgebot umstellt.

Es ging um eine Gedenkveranstaltung. Es ging um Menschen, die gemeinsam trauern und der Verstorbenen gedenken wollten. Dass selbst dieses gemeinsame Erinnern und Trauern mit einem derartigen Polizeieinsatz beantwortet wird, halten wir für nicht hinnehmbar.

Gerade vor dem Hintergrund des gegenwärtigen Friedens- und Dialogprozesses wiegt dieses Vorgehen besonders schwer. Seit Beginn dieses Prozesses sind die Identitäten zahlreicher in den vergangenen Jahren ums Leben gekommener Guerillakämpferinnen und Guerillakämpfer bekanntgegeben worden. Hinter diesen Namen stehen Familien, Eltern, Geschwister und Angehörige. Viele von ihnen leben auch in Deutschland. Sie haben das Bedürfnis, gemeinsam zu trauern, sich gegenseitig beizustehen und ihrer Verstorbenen zu gedenken.

Trauer darf nicht kriminalisiert werden.

Wie widersprüchlich das Vorgehen in Hannover ist, zeigt auch der Blick nach Nordkurdistan und in die Türkei. In den letzten Wochen finden dort Trauer- und Gedenkveranstaltungen für verstorbene Angehörige der kurdischen Bewegung statt, an denen Tausende Menschen teilnahmen. Dass solche Zusammenkünfte gegenwärtig selbst dort öffentlich stattfinden können, während in Deutschland eine kurdische Gedenkveranstaltung durch einen massiven Polizeieinsatz verhindert wird, ist für uns nicht nachvollziehbar und beschämend.

Deutschland darf beim Umgang mit der kurdischen Community nicht an einer Politik festhalten, die jede Form des politischen, gesellschaftlichen und selbst des persönlichen Erinnerns unter einen pauschalen Verdacht stellt. Ein Staat, der Angehörigen und Freund faktisch den Raum zum gemeinsamen Trauern nimmt, greift tief in einen elementaren menschlichen Bereich ein.

Wir erwarten ein Ende dieses Vorgehens der deutschen Sicherheitsbehörden. Die Kriminalisierung von Kurdinnen und Kurden in Deutschland muss ein Ende finden. Das Recht zu trauern und an Verstorbene zu erinnern darf der kurdischen Community nicht abgesprochen werden.