Stellungnahme von KON-MED, 10.01.2026
Die seit dem 28. Dezember anhaltenden Proteste im Iran und in Rojhilat (Ostkurdistan) sind Ausdruck einer tiefgreifenden gesellschaftlichen Krise. Sie stehen in direkter Kontinuität zur Revolution „Jin, Jiyan, Azadî“ und sind das Ergebnis von über vier Jahrzehnten systematischer Unterdrückung, politischer Repression und sozialer Verelendung durch die Islamische Republik Iran.
Was sich derzeit auf den Straßen von Teheran, Zahedan, Sanandaj, Îlam, Kirmaşan und Dutzenden weiteren Städten abspielt, ist kein spontaner Ausbruch sozialer Unzufriedenheit. Es ist ein erneuter, entschlossener Aufstand einer Gesellschaft, die sich mit Entrechtung, Armut und staatlicher Gewalt nicht länger abfinden will. Menschen gehen auf die Straße, weil sie leben wollen – frei, sicher und in Würde.
Im Zentrum dieser Bewegung steht weiterhin der Kampf der Frauen. Die Forderung nach Selbstbestimmung, nach einem Leben ohne Zwang und Gewalt bleibt der Motor des gesellschaftlichen Aufbruchs. Frauen verbrennen öffentlich Symbole des Regimes, stellen sich an die Spitze der Proteste und verteidigen damit nicht nur ihre eigenen Rechte, sondern die Zukunft der gesamten Gesellschaft.
Das Regime reagiert mit äußerster Brutalität. Dutzende Menschen wurden in den vergangenen Tagen getötet. Hunderte weitere wurden verletzt. Sicherheitskräfte schießen gezielt auf Demonstrierende, setzen Schrotmunition mit Metallkugeln ein und greifen selbst Krankenhäuser an. Verletzte werden aus medizinischen Einrichtungen verschleppt, Tote ihren Familien entzogen. Willkürliche Massenfestnahmen, Verschwindenlassen, Folter und erzwungene „Geständnisse“ sind Teil einer systematischen Strategie der Einschüchterung.
Besonders alarmierend ist das überproportional harte Vorgehen in kurdischen Regionen. Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International und Human Rights Watch dokumentieren, dass Provinzen wie Lorestan und Îlam zu den am stärksten von tödlicher Repression betroffenen Gebieten gehören. Diese Gewalt folgt einem bekannten Muster: nationale Minderheiten werden gezielt kriminalisiert und kollektiv bestraft.
Parallel dazu versucht das Regime, die Proteste durch eine nahezu landesweite Internetabschaltung und massive Einschüchterung von Journalist:innen und Aktivist:innen unsichtbar zu machen. Die Abschaltung digitaler Infrastruktur dient nicht nur der Unterdrückung von Organisation und Streik, sondern vor allem der Verschleierung staatlicher Verbrechen vor der Weltöffentlichkeit.
Die Forderungen der Bevölkerung sind eindeutig und nicht verhandelbar: Freiheit, Demokraite und ein Leben in Würde. Es geht nicht um kosmetische Reformen, sondern um einen grundlegenden politischen und gesellschaftlichen Wandel. Die anhaltenden Proteste zeigen unmissverständlich, dass die Islamische Republik von großen Teilen der Gesellschaft nicht länger akzeptiert wird.
Vor diesem Hintergrund ist Einheit entscheidend. Nur eine gemeinsame, solidarische Haltung aller unterdrückten Völker, politischen Kräfte und zivilgesellschaftlichen Akteur:innen kann eine wirksame Antwort auf die aktuelle Situation entwickeln. Parteipolitische oder taktische Interessen dürfen nicht über die Bedürfnisse der Bevölkerung gestellt werden. Diese historische Phase erfordert Verantwortung, Klarheit und Solidarität.
Die Ko-Vorsitzende von KON-MED, Rûken Akça, erklärt dazu:
„Jin, Jiyan, Azadî ist kein Slogan – es ist der Ausdruck eines kollektiven Willens zum Leben. Die Frauen, die heute im Iran und in Rojhilat auf die Straße gehen, verteidigen nicht nur ihre eigenen Rechte, sondern die Würde einer ganzen Gesellschaft. Wer angesichts dieser Gewalt schweigt, macht sich mitschuldig.“
Die Proteste im Iran und in Rojhilat sind ein legitimer Kampf für Freiheit, Leben und Würde. Sie verdienen internationale Aufmerksamkeit, Schutz und Solidarität – kein Schweigen, keine Relativierung und keine politische Instrumentalisierung.
Als KON-MED stehen wir solidarisch an der Seite der Menschen im Iran und in Rojhilat. Wir fordern die Bundesregierung auf, sich klar und unmissverständlich zur brutalen Repression zu positionieren und Menschenrechtsverletzungen zu benennen.