Erklärung von KON-MED, Konföderation der Gemeinschaften Kurdistans in Deutschland, 29.03.2026
Die Konföderation der Gemeinschaften Kurdistans in Deutschland (KON-MED) verurteilt den geplanten Empfang des syrischen Übergangspräsidenten Ahmed al-Scharaa in Berlin mit aller Deutlichkeit. Wer Ahmed al-Scharaa im Kanzleramt empfängt, sendet ein fatales Signal an all jene Menschen in Syrien, die seit Jahren unter Krieg, Verfolgung, Vertreibung und islamistischer Gewalt leiden.
Ahmed al-Scharaa kann kein Partner für Demokratie, Frieden und Menschenrechte sein. Unter der Verantwortung der syrischen Übergangsregierung und ihr zugerechneter Kräfte sind schwere Verbrechen gegen Zivilist:innen und Minderheiten dokumentiert worden. Internationale Berichte sprechen von Massakern an Alawit:innen und Drus:innen, von schweren Übergriffen im Nordosten Syriens gegen die Kurd:innen sowie von Angriffen auf Christ:innen und andere religiöse Minderheiten. Wer einen solchen Akteur politisch aufwertet, legitimiert nicht Stabilität, sondern Straflosigkeit.
Besonders skandalös ist dieser Besuch auch deshalb, weil weiterhin das Schicksal der vermissten Journalist:innen Eva Maria Michelmann und Ahmed Polad ungeklärt ist. Beide verschwanden im Januar 2026 in Rakka, nachdem Truppen der Übergangsregierung die Stadt eingenommen hatten. Solange Entführungen, Verschleppungen und Angriffe auf Minderheiten und oppositionelle Kräfte nicht aufgeklärt werden, darf es keine politische Normalisierung mit al-Scharaa geben.
Anstatt Ahmed al-Scharaa den roten Teppich auszurollen, sollte die Bundesregierung diejenigen in Syrien stärken, die sich für Demokratie, Selbstverwaltung, Frauenrechte sowie das friedliche Zusammenleben der Völker und Religionsgemeinschaften einsetzen. Rojava und die Demokratische Selbstverwaltung in Nord- und Ostsyrien haben trotz Krieg und Bedrohungen gezeigt, dass eine andere Zukunft für Syrien möglich ist. Das islamistische Regime von al-Scharaa stellt für dieses Beispiel einer gelebten Demokratie ebenso eine Gefahr dar wie für die Errungenschaften der Frauenrevolution, die in Rojava und darüber hinaus in den letzten 15 Jahren erreicht wurden.
KON-MED fordert deshalb die Bundesregierung auf, jede politische Aufwertung Ahmed al-Scharaas zu beenden, die Angriffe auf Rojava klar zu verurteilen und endlich den Schutz sowie die politische Anerkennung der Demokratischen Selbstverwaltung in Nord- und Ostsyrien auf die Tagesordnung zu setzen.
Kerem Gök, Co-Vorsitzender von KON-MED, erklärt dazu:
„Wer Ahmed al-Scharaa in Berlin empfängt, macht sich blind gegenüber den Verbrechen, die unter seiner Verantwortung und durch mit ihm verbundene Kräfte in Syrien verübt wurden. Während Kurdinnen und Kurden, Drusinnen und Drusen, Alawitinnen und Alawiten, Christinnen und Christen um Sicherheit und Gerechtigkeit kämpfen, öffnet die Bundesregierung einem Mann die Tür, der nicht für Frieden steht, sondern für Angst, Vertreibung und Gewalt. Was Syrien braucht, ist nicht die politische Legitimierung eines islamistischen Machthabers, sondern der Schutz demokratischer Kräfte wie in Rojava.“
Wir rufen alle Demokrat:innen, Menschenrechtsaktivist:innen und solidarischen Kräfte dazu auf, sich an den Protesten gegen den Besuch Ahmed al-Scharaas in Berlin zu beteiligen. Montag, 30.03.2026, 14:00 Uhr, vor dem Bundeskanzleramt: Unter dem Motto „Al-Jolani nicht unser Gast – Von Deutschland bis Rojava – Frauenrevolution verteidigen“ rufen die Kurdische Frauenbewegung in Europa (TJK-E) und die Kurdische Gemeinde zu Berlin-Brandenburg (KGBB) zum Protest auf. Die Einladung an Ahmed al-Scharaa ist kein Zufall, sondern ein politisches Signal: Während in Deutschland Abschiebungen verschärft werden, wird ein Akteur mit gewaltgeprägter Vergangenheit politisch aufgewertet. Seine Verantwortung für Massaker, Feminizide und Unterdrückung darf nicht ignoriert werden. Wir sagen klar: Keine Normalisierung von Gewalt und autoritären Strukturen. Unsere Solidarität gilt den Frauen, der demokratischen Selbstverwaltung und allen Menschen in Nord- und Ostsyrien, die für Freiheit, Würde und ein friedliches Zusammenleben kämpfen. Jetzt ist der Moment, Haltung zu zeigen – Schweigen bedeutet Zustimmung.