Stellungnahme der Konföderation der Gemeinschaften Kurdistans in Deutschland (KON-MED), 14.01.2026
Wir verurteilen den geplanten Besuch von Ahmad al-Shaara in Berlin entschieden. Wer einen Mann empfängt, der aus der Tradition dschihadistischer Gewalt stammt und bis heute für schwere Kriegsverbrechen verantwortlich ist, überschreitet eine politische und moralische Grenze.
Ahmad al-Shaara, lange bekannt unter dem Kampfnamen „Jolani“, entstammt dem Umfeld von al-Qaida und war über Jahre Anführer der islamistischen Miliz HTS. Diese Vergangenheit ist keine Randnotiz – sie prägt bis heute die politische Praxis des von ihm geführten Regimes. Entgegen aller Versuche politischer Imagepflege setzen sich unter seiner Amtszeit Gewalt, Repression und systematische Angriffe auf die Zivilbevölkerung fort.
Die Verbrechen haben nicht aufgehört.
Drus:innen und Alawit:innen wurden gezielt angegriffen, vertrieben und getötet. Zuletzt richtete sich die Gewalt erneut gegen Kurd:innen – insbesondere in den kurdischen Stadtbezirken von Aleppo, darunter Şêxmeqsûd und Eşrefiyê. Diese Angriffe belegen unmissverständlich: Die Machtübernahme in Damaskus hat keinen politischen Bruch gebracht, sondern die Fortsetzung einer menschenfeindlichen Ideologie unter neuem diplomatischem Anstrich.
Deutlich wird dies auch an der systematischen Gewalt gegen Frauen. Unter der Kontrolle von Jolani und der HTS kam es in der Region Idlib zu öffentlichen Steinigungen von Frauen. Auch die jüngsten Ereignisse in Aleppo sprechen eine klare Sprache: In sozialen Netzwerken kursiert ein Video, das Milizionäre der syrischen Übergangsregierung zeigt, wie sie den leblosen Körper einer kurdischen Kämpferin aus einem Gebäude im Stadtteil Şêxmeqsûd auf die Straße werfen – begleitet von „Allahu Akbar“-Rufen. Nach Angaben der Asayîş gehörte die Frau den inneren Sicherheitskräften der nordostsyrischen Selbstverwaltung an. Dieses Verbrechen steht exemplarisch für die fortdauernde Entmenschlichung unter dem aktuellen Regime.
Unsere Ko-Vorsitzende Rûken Akça erklärt dazu:
„Ein Regime, unter dem Frauen gesteinigt werden und getötete Frauen öffentlich geschändet werden, kann kein Partner für Deutschland oder Europa sein. Diese Gewalt ist kein Ausrutscher – sie ist Ausdruck einer Ideologie, die Frauen entrechtet und Gewalt legitimiert.“
Vor diesem Hintergrund ist es nicht hinnehmbar, Ahmad al-Shaara als politischen Gesprächspartner auf internationaler Bühne zu behandeln. Wer ihn hofiert, trägt zur politischen Normalisierung schwerster Verbrechen bei und sendet ein fatales Signal an die Opfer.
Kriegsverbrecher gehören nicht an Verhandlungstische – sie gehören auf die Anklagebank.